Langfilme

Cursed be the Phosphate

Dokumentation: Tunesien 2012, OmeU, 80 min, Regie: Sami Tlil (Originaltitel: Yalan Bu El Fosfate)

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2008 erlebt die Region von Redeyef, im Südwesten von Tunesien, einen Aufstand, der als Ursprung der „Jasminrevolution“ 2011 gelten wird. Die Gewerkschaft der Stadt ruft zu einem Generalstreik auf und demonstriert gegen unsichere Arbeitsbedingungen im Bergbau, Umweltzerstörung und von der Regierung unterstützte Korruption. Die Antwort des Regimes ist brutal, das Medienbild im eigenen Land verklärt sowie propagandistisch. Die internationale Presse schenkt wenig Beachtung.

Drei Jahre nach dem Aufstand fragt Sami Tlili nach: Was ist aus den Wahlversprechen in Folge der Revolution geworden? War es den Kampf wert? Der Film ist ein wichtiges und ausdrucksvolles Zeitzeugendokument zu sozialer Spannung, Repression und Solidarität, eingebettet in Rezitationen arabischer Poesie.

 

Free Men

Drama: Frankreich 2011, OmeU, 99min, Regie: Ismaël Ferroukhi (Originaltitel: Les hommes libres) mit Tahar Rahim, Michael Lonsdale, Mahmud Shalaby

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Während des Zweiten Weltkrieges versucht sich der junge algerische Immigrant Younes durch Schwarzhandel über Wasser zu halten. Als er dabei von der französischen Geheimpolizei erwischt wird, kann er sich nur retten, indem er sich dazu bereit erklärt, Si Kadour Ben, Mufti an der Pariser Moschee, auszuspionieren. Dieser soll illegal Juden in seiner Moschee verstecken und sie mit falschen Papieren ausstatten. Als Younes den algerischen Sänger Salim Halil kennenlernt, der seine jüdische Identität verbergen muss, beginnt er seine Tätigkeiten immer mehr in Frage zu stellen und schließt sich der Résistance an. Dadurch wird es erst wirklich gefährlich für Younes.

 

Jean Wejnoon – Genies and Madness

Dokumentation/Komödie: Israel 2011, OmeU, 87 min, Regie: Mamdooh Afdile (Originaltitel: Jinn Wa’Jnoon, Shed Ve Shigaon)

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Unser Leben ist die Verschmelzung von Wirklichkeit und Einbildung. Ein Film über das Leben muss also beide Elemente beinhalten, aber wie ist das zu schaffen?”

Die Suche des Regisseurs Mamdouh Afdile nach einer Antwort führt dazu, dass Geschichte und Geschichtenerzähler immer mehr verschmelzen. Die Grenze zwischen Realität und Fiktion verschwimmt. Für die Zuschauenden beginnt eine magische Reise ins abenteuerliche und ungewöhnliche Leben des Regisseurs. Nach schmerzhaften beruflichen Enttäuschungen kehrt Mamdouh Afdile nach Tira, in die Stadt seiner Familie zurück, in der die Menschen noch an Dämonen und Zauberei glauben. Aus purer Verzweiflung beschließt er, die geheimnisvollen Geschichten zu verfilmen und damit seinem Traum, ein berühmter Regisseur zu werden, näherzukommen. Sehr schnell aber laufen die Dinge aus dem Ruder und sein Traum entwickelt sich auf geheimnisvolle Weise mehr und mehr zu einem Alptraum.

 

Mars at Sunrise 

Drama: Kanada, Palästina, USA 2014, OmeU, 75 min, Regie: Jessica Habie, mit Ali Suliman, Guy Elhanan, Haale Gafori. DEUTSCHLAND-PREMIERE

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Azzadeh, eine junge jüdisch-amerikanische Poetin, reist nach Israel, um das Land und deren Menschen kennenzulernen, über das sie bis dahin nur gehört hatte. Der Konflikt ist allgegenwärtig, und über einen kritischen Zufall enthüllt Azzadeh die Geschichte eines israelischen Soldaten und eines palästinensischen Künstlers, die die Komplexität ihrer Vergangenheit zu reflektieren versuchen: Wie kann ein kreativer Geist in einer solchen Zeit überleben und selbst unter Druck blühen? „Mars at Sunrise“ skizziert den persönlichen Konflikt von Menschen auf beiden Seiten der militärischen Grenzen und zeigt, wie Kreative danach streben ein Bild vom Leben umgeben vom Konflikt zu malen.

 

 

Stable Unstable

Komödie/Drama: Libanon, Katar 2013, OmeU, Regie: Mahmoud Hojeij, mit Camille Salameh, Fadi Abi Samra. LEIPZIG-PREMIERE

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Silvester in Beirut: Sieben schrullige bis exzentrische Menschen besuchen im Laufe ihrer wöchentlichen Routine den Psychiater. Jeder einzelne von ihnen klammert sich an die Hoffnung, dass Doktor Ghassan für sie doch noch den Sinn des vergangenen Jahres zu enthüllen vermag.

Der Zuschauer beobachtet heimlich, durch den Spiegel im Fahrstuhl und hinter dem Sessel des Therapeuten versteckt, wie die Patienten zu beschäftigt damit sind ihr Leid in einer schrillen Performance darzubieten, als den Rat des Doktors zu befolgen. Eher noch im Inneren des Fahrstuhls als auf der Therapeuten-Couch sind sie ihrer Persönlichkeit am nächsten. Doch diese ehrlichen Momente sind für sie selbst nicht erkennbar, so sehr bemühen sie sich, den Schein einer stabilen Welt aufrecht zu erhalten – in einem Land, in dem Instabilität die Norm ist. Ein Drama gemischt mit bizarrer Komik.

 

The Lebanese Rocket Society 
Dokumentation: Libanon 2012, OmeU, 93 min, Regie: Joana Hadjithomas, Khalil Joreige, mit Hampar Karageozian, Harry Koundakjian, Manoug Manougian. DEUTSCHLAND-PREMIERE

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Am Anfang ist eine Briefmarke, zufällig in einem Buch entdeckt, auf der eine Rakete in den Farben der libanesischen Flagge abgebildet ist: eine Waffe, ein Geschoss, ein Objekt zur Weltraumerforschung? Die Regisseure gehen der Frage nach und stoßen auf die Geschichte der libanesischen Raumfahrtgesellschaft.

In den 1960er Jahren, in einer Zeit des Aufbruchs, hatten Studierende und Lehrende der Universität Haigazian in Beirut zusammen mit ihrem Professor Manoug Manougian den waghalsigen Versuch gestartet, ein eigenes Raumfahrtprogramm zu errichten. Obwohl das Projekt wissenschaftlich ausgerichtet war, erhielt es sehr schnell die Aufmerksamkeit der Politik und das – unerwünschte – Interesse des Militärs.

Der Film beruht auf der utopischen Bewegung der 1960er Jahre, in der wissenschaftliche, technische, moralische und politische Fortschritte noch eng verbunden waren. Im Nahen Osten war der Utopismus stark mit der Idee des Panarabismus, der Vision einer einzigen arabischen Kulturnation, verknüpft. Die Auswirkungen des Scheitern dieser politischen Utopie sind noch heute zu spüren.

 

The Repentant 

Drama: Algerien / Frankreich 2012, OmeU, 87 min, Regie: Merzac Allouache (Originaltitel: El taaib, Le repenti), mit Nabil Asli, Adila Bendimerad, Khaled Benaissa. LEIPZIG-PREMIERE

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Algerien nach Verabschiedung des Amnestie-Gesetzes: Rachid, ein junger Islamist, gibt seine Waffen ab, verlässt den Untergrund und kehrt in sein Heimatdorf zurück. Dort stößt er auf eine Mauer aus Schweigen, Andeutungen und offenen Anfeindungen. Eng verknüpft mit seiner Geschichte ist das Schicksal des Apothekers Lakdar und seiner Ex-Frau Djamila, deren gemeinsame Tochter entführt und getötet wurde. In der Hoffnung, das Grab ihrer Tochter zu finden, nehmen beide Kontakt zu Rachid auf. Ihr Reise wird zur Auseinandersetzung mit Versäumnissen, der eigenen Schuld und der Unmöglichkeit Vergessen zu können.

Im Kontrast zur rauen Schönheit und Stille der algerischen Berge porträtiert Merzac Allouache seine ProtagonistInnen in Nahaufnahme und isoliert sie dadurch in ihrer Einsamkeit und inneren Anspannung zwischen Hoffnung und Perspektivlosigkeit. Im Scheitern zwischenmenschlicher Beziehungen und im komplexen Innenleben der Charaktere beleuchtet Allouache die Tragödie und das Trauma Algeriens, das bis heute nachwirkt.

 

The Ugly One – Deutschland-Premiere
Experimentalfilm/Drama: Frankreich 2013, OmeU, 101 min, Regie: Eric Baudelaire, mit M. Adachi, Rabih Mroué, Juliette Navis. DEUTSCHLAND-PREMIERE

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Winter in Beirut. An einem Strand, übersät mit Dosen, die das Meer anspülte, treffen sich Lili und Michel. Der Moment ist intensiv bis angespannt. Bei ihren Bemühungen, die Fragmente einer undefinierten Vergangenheit zusammenzufügen, kommen die Erinnerungen hoch: ein Terrorakt, eine Explosion und das Verschwinden eines Kindes namens Elena. Verworren in diesen Fragmenten ist die Stimme eines japanischen Erzählers, der von seinem eigenen schwermütigen Beirut erzählt: 27 Jahre kämpfte er im Untergrund an der Seite von Palästinensern als ein Mitglieder der Japanischen Roten Armee. Diese Stimme aus dem Off modelliert die Geschichte von Michel und Lili. Ihr Schicksal wird von dem Mysterium dirigiert, welches sich als der legendäre japanische New Wave Filmemacher Masao Adachi entpuppt.

Teils Liebesgeschichte, teils politische Erzählung, halb Doku, halb Fiktion, und ohne vorgegebenes Skript, ist dieser Film der experimentelle Versuch einer Konfrontation zweier Generationen im Hinblick auf Politik und Filmemachen und stellt Fragen nach Extremismus und Reue.

 

Tinghir – Jerusalem
Dokumentation: Marokko, Italien, Frankreich 2013, OmeU, 86 min, Regie: Kamal Hachkar

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Die Macher von Tinghir-Jerusalem begeben sich auf eine Reise zu den Wurzeln von jüdischen Israelis, die in den 60er Jahren als Berber aus Marokko einwanderten. In dem marokkanischen Dorf Tinghir – Heimatdorf des in Frankreich lebenden Regisseurs – erinnert sich nur noch die ältere Generation an ihre einstigen jüdischen Nachbarn und das friedliche Zusammenleben. In einem israelischen Wohnzimmer singt eine aus Tinghir stammende Jüdin begeistert Lieder aus ihrer alten Heimat und erzählt bewegt von alten Zeiten. Die Tochter einer Berberin, die den Komfort der modernen, israelischen Gesellschaft zu schätzen weiß, ist weit weniger nostalgisch. Sie fühlt sich als Israelin und hat keine emotionale Verbindung zu ihren marokkanischen Vorfahren. Die lebendigen Interviews des Films erzählen von friedlicher Nachbarschaft von Juden und Muslimen, vom Zurückbesinnen auf die eigenen Wurzeln und vom Suchen und Finden der eigenen Identität.

 

When Monaliza Smiled 
Komödie/Romantik: Jordanien 2012, OmeU, 95 min, Regie: Fadi Haddad, mit Tahani Salim, Shady Khalaf, Haifa Al-Agha. DEUTSCHLAND-PREMIERE

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Monalisa lächelt. Oder doch nicht? Der jordanischen Monaliza ist das Lächeln vergangen, oder eigentlich hat sie noch nie gelächelt. In einer skurrilen Welt aus Bürokratie, großen Schwestern, Nähtischchen und Nachbarschaftstratsch hat Monaliza wahrhaftig wenig Grund dazu, bis sie der ägyptische Gastarbeiter Hamdi ins Kino mitnimmt und ihr Kaffee kocht.

Die Komödie von Fadi Haddad bietet einen unterhaltsamen Einblick in die heutige jordanische Gesellschaft und thematisiert bei aller Unterhaltung auch Ernstes wie die Situation der ägyptischen Gastarbeiter in Jordanien, oder das Recht von Frauen auf eigene Entscheidung in der Liebe. Dabei versetzt er seine Heldin szenenweise in einen alten, ägyptischen Schwarzweißfilm, was die nicht annähernd so romantische Realität kontrastiert. Besonders hervorzuheben ist die jordanische Schauspielerin Haifa al-Agha, die Monalizas ältere Schwester Afaf in ihrer Verbitterung und Verzweiflung, aber auch mit großer Liebe zur kleinen Schwester, ganz hervorragend darstellt. Nach Auszeichnungen auf Filmfestivals in Dubai und Malmö kommt er nun im Rahmen der 6. Arabischen Filmwoche auch nach Deutschland. Dabei ist eins sicher: Wenn Monaliza lächelt, wird auch das Publikum dies tun.

 

Syria through a lens 

3. Syria.A

Bassel Shehadeh´s Syria Through A Lens zeigt die Schönheit Syriens und die inspirierende Zivilcourage der SyrerInnen im herrschenden Bürgerkrieg. Die Dokumentation enthält einige von Shehadeh´s besten Kurzfilmen, wie Carrying Eid to Camps, The Reading Workshop und Singing to Freedom, sowie das letzte Material auf seiner Kamera, bevor er am 28. Mai 2012 während eines von der syrischen Regierung initiierten Angriffs nahe Homs ums Leben kam.

Bassel Shehadeh spielte eine wesentliche Rolle in der Organisation und Dokumentation der friedlichen Proteste, die Syrien im Zuge des Arabischen Frühlings erreichten.

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